Was ist Schmerz eigentlich? Physiologie, chronische Schmerzen und die Rolle von Störfeldern
Aktualisiert: 10. Aug.
Wie entsteht Schmerz, und warum werden manche Schmerzen chronisch?
Ganzheitliche Betrachtung chronischer Schmerzen - Julika Wehner München.
Schmerz ist unangenehm – aber er ist auch eines der ausgeklügeltsten Warnsysteme, die unser Körper besitzt. Wer versteht, was dabei im Nervensystem tatsächlich passiert, versteht auch besser, warum manche Schmerzen schnell wieder verschwinden und andere sich hartnäckig halten, obwohl das ursprüngliche Gewebe längst verheilt ist.
Was passiert im Körper, wenn wir Schmerz empfinden?
Am Anfang jeder Schmerzempfindung stehen spezialisierte Sinneszellen, die
Nozizeptoren – freie Nervenendigungen in Haut, Muskeln, Gelenken und inneren Organen.
Sie reagieren auf mechanische, thermische oder chemische Reize, die eine bestimmte Schwelle überschreiten und eine potenzielle Gewebeschädigung anzeigen.

Von dort wird das Signal über zwei unterschiedliche Nervenfasertypen weitergeleitet: schnelle, markhaltige Aδ-Fasern vermitteln den ersten, scharfen, gut lokalisierbaren Schmerz; langsamere, marklose C-Fasern sind für den dumpfen, ziehenden Schmerz verantwortlich, der oft erst etwas verzögert einsetzt. Beide Fasertypen leiten das Signal zum Hinterhorn des Rückenmarks, wo es verschaltet und über den sogenannten spinothalamischen Trakt zum Thalamus im Gehirn weitergeleitet wird.
Im Gehirn wird der Reiz auf zwei Ebenen verarbeitet: Der somatosensorische Kortex ordnet Ort und Intensität des Schmerzes ein, während limbisches System und Insula für die emotionale Komponente sorgen – das erklärt, warum Schmerz nie nur ein rein körperliches, sondern immer auch ein emotionales Erleben ist.
Akuter Schmerz: ein sinnvolles Warnsignal
Akuter Schmerz erfüllt eine wichtige Schutzfunktion: Er signalisiert eine aktuelle oder drohende Gewebeschädigung und veranlasst uns, die betroffene Körperregion zu schonen. In diesem Sinne ist er kein Fehler im System, sondern ein notwendiger Mechanismus, der das Gewebe während der Heilung schützt. Klingt der Reiz ab und heilt das Gewebe, klingt in der Regel auch der Schmerz wieder ab.
Wenn Schmerz chronisch wird: das Schmerzgedächtnis

Bei manchen Menschen bleibt der Schmerz jedoch bestehen, obwohl das ursprünglich geschädigte Gewebe längst verheilt ist.
Ein zentraler Mechanismus dahinter ist die sogenannte zentrale Sensibilisierung: Die Nervenzellen im Rückenmark und Gehirn werden durch anhaltende Reizung zunehmend empfindlicher, die Schmerzschwelle sinkt, und selbst leichte oder eigentlich harmlose Reize können als schmerzhaft wahrgenommen werden.
Umgangssprachlich spricht man von einem Schmerzgedächtnis – das Nervensystem hat sich an den Schmerz gewissermaßen "gewöhnt" und reagiert übermäßig empfindlich.
Das ist ein wichtiger Punkt für das Verständnis chronischer Schmerzen: Sie bedeuten nicht zwangsläufig, dass weiterhin Gewebe geschädigt wird. Häufig hat sich das Nervensystem selbst verändert – und genau hier setzt eine ganzheitliche Betrachtung an, die über die reine Suche nach einer strukturellen Ursache hinausgeht.
Chronische Schmerzen: mehr als ein verlängertes Symptom
In der modernen Schmerzmedizin gilt ein Schmerz meist dann als chronisch, wenn er länger als drei bis sechs Monate anhält – unabhängig davon, ob noch eine erkennbare Gewebeschädigung vorliegt. Zunehmend wird chronischer Schmerz dabei nicht mehr nur als verlängertes Symptom verstanden, sondern als eigenständiges Krankheitsbild, an dem körperliche, psychische und soziale Faktoren gleichermaßen beteiligt sind – man spricht vom biopsychosozialen Schmerzmodell.
Mehrere Faktoren begünstigen erfahrungsgemäß eine solche Chronifizierung:
Schonverhalten und Bewegungsmangel – aus Angst vor erneutem Schmerz wird die betroffene Region übermäßig geschont, was die Muskulatur zusätzlich schwächt.
Anhaltender Stress – ein dauerhaft aktiviertes Stresssystem kann die Schmerzwahrnehmung zusätzlich sensibilisieren.
Schlafmangel – schlechter Schlaf senkt nachweislich die Schmerzschwelle.
Gedankliche Fixierung auf den Schmerz (Katastrophisieren) – die ständige gedankliche
Beschäftigung mit dem Schmerz kann seine Wahrnehmung verstärken.
Fehlende Erholungsphasen im Alltag.
Bemerkenswert: Viele dieser Faktoren sind dieselben, die auch bei einem chronisch belasteten Stresssystem eine Rolle spielen. Deshalb kann auch bei chronischen Schmerzen eine Ordnungstherapie – also die bewusste Wiederherstellung von Rhythmus, Schlaf und Erholung – ein sinnvoller Baustein der Begleitung sein.
Naturheilkundliche Perspektive: Störfelder als mögliche Schmerzursache
In der Neuraltherapie nach Huneke wird ein weiterer Aspekt betrachtet: das
Konzept der sogenannten Störfelder. Darunter versteht man Bereiche im Körper – häufig Narben, aber auch chronische Entzündungsherde –, die über das vegetative Nervensystem Fehlregulationen an ganz anderen Körperstellen auslösen können. Wird ein solches Störfeld gezielt behandelt, kann der Schmerz an entfernter Stelle mitunter rasch nachlassen – das sogenannte "Sekundenphänomen".
(Wichtig zur Einordnung: Das Störfeld-Konzept ist ein naturheilkundliches Modell aus der Erfahrungsheilkunde und in der Schulmedizin nicht durchgehend anerkannt. In der Schweiz ist die Neuraltherapie bereits Teil der anerkannten Komplementärmedizin. Sie kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ersetzt aber keine ärztliche Abklärung struktureller Ursachen.)
Mehr dazu auf meiner Seite zur Neuraltherapie nach Huneke.
Narben als mögliche Störfelder

Besonders Operationsnarben werden in der Neuraltherapie häufig als Störfelder betrachtet, auch wenn sie schon Jahre zurückliegen und äußerlich unauffällig verheilt sind. Eine gezielte Narbenentstörung kann hier ansetzen, wenn ein Zusammenhang zwischen einer Narbe und wiederkehrenden Beschwerden vermutet wird.
Faszien und myofasziale Schmerzen
Auch das Fasziengewebe – das netzartige Bindegewebe, das Muskeln, Organe und Gelenke umhüllt – spielt bei Schmerzen eine Rolle, die lange unterschätzt wurde. Verklebte oder verspannte Faszien können sogenannte myofasziale Triggerpunkte bilden, die Schmerzen auch in entfernte Körperregionen ausstrahlen lassen können.
Die Faszientherapie – unter anderem mit Schröpfen, Bindegewebstherapie und Kinesiotape – setzt genau hier an.
Muskuläre Verspannungen und ausleitende Verfahren
Anhaltende muskuläre Anspannung, wie sie häufig in Zusammenhang mit Stress oder einseitiger Belastung entsteht, kann Schmerzen zusätzlich verstärken. Klassische ausleitende Verfahren wie Schröpfen werden hier traditionell zur Lockerung eingesetzt.
Naturheilkundliche Begleitung bei Gelenkbeschwerden
Bei Gelenkbeschwerden wie Arthrose oder rheumatischen Beschwerden kann ergänzend eine Blutegeltherapie in Betracht gezogen werden – ein traditionelles, ausleitendes Verfahren.
Wie eine ganzheitliche Schmerzanamnese abläuft
Auch bei Schmerzen beginnt die naturheilkundliche Begleitung mit einer ausführlichen Anamnese: Wo genau sitzt der Schmerz, wie fühlt er sich an, seit wann besteht er, was verstärkt oder lindert ihn? Bereits vorhandene ärztliche Befunde, etwa aus Arztbriefen oder bildgebender Diagnostik, fließen dabei mit ein.
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In der Praxis läuft das in drei Schritten ab: einem kostenlosen, 15-minütigen Infogespräch, einem ausführlichen Ersttermin (60–90 Minuten Anamnese) und darauf aufbauend einer individuellen, naturheilkundlichen Begleitung.
Was Sie selbst schon jetzt beobachten können
Ein einfaches Schmerztagebuch hilft oft schon vor dem ersten Termin, Zusammenhänge sichtbar zu machen:
Wo genau sitzt der Schmerz, und strahlt er aus?
Wie fühlt er sich an – stechend, dumpf, ziehend, brennend?
Zu welcher Tageszeit oder bei welchen Bewegungen ist er am stärksten?
Was lindert ihn, was verschlimmert ihn?
Seit wann besteht er, und gab es einen erkennbaren Auslöser?
Bei länger bestehenden Schmerzen: Wie hat sich der Schmerz seither verändert – räumlich, in der Intensität oder im Charakter?
Ganzheitlich und schulmedizinisch – kein Widerspruch
Bei anhaltenden oder starken Schmerzen steht die ärztliche bzw. orthopädische Abklärung struktureller Ursachen immer an erster Stelle. Eine naturheilkundliche Begleitung ersetzt diese nicht, sondern setzt ergänzend dort an, wo Nervensystem, Faszien, Narben oder muskuläre Verspannungen eine Rolle spielen könnten – gerade wenn Schmerzen trotz unauffälliger Befunde bestehen bleiben.
Naturheilpraxis Wehner: Zeit nehmen, um wirklich hinzuschauen
In meiner Praxis in München Haidhausen nehme ich mir für die Erstanamnese bewusst 60–90 Minuten Zeit – auch bei Schmerzen lohnt sich ein Blick über das reine Symptom hinaus. Rückenschmerzen, Verspannungen sowie Gelenkbeschwerden gehören zu meinen Schwerpunkten im Bereich Bewegungsapparat.
Wenn Sie seit Längerem mit Schmerzen zu tun haben, deren Ursache unklar bleibt, starten Sie gerne mit einem kostenlosen, unverbindlichen Infogespräch.
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📞089 / 218 97 299
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Erfahrungsheilkunde – kein Heilversprechen. Die genannten naturheilkundlichen Betrachtungsweisen ersetzen keine ärztliche Diagnose.
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