Physiologie der Narbenheilung
Wie verläuft die Wundheilung einer Narbe?
Was ist normal und wo sollte man genauer hinschauen?
Jeder kennt es - wir haben eine kleine Schürfwunde, einen Sonnenbrand und nach relativ kurzer Zeit sehen und merken wir von der oberflächlichen Verletzung meist nichts mehr.
Hierbei handelt es sich um eine von zwei Wundheilungsarten - die Regeneration.
Auch Restiutio ad integrum genannt. (Das Gewebe wird exakt so wiederhergestellt, wie es vor der Verletzung war) - eigentlich optimal, aber im Vergleich zur zweiten Art der Wundheilung leider nicht so häufig und meistens nur bei oberflächlichen Hautschichten und Schleimhäuten zu finden.
Die zweite Art der Wundheilung ist die Restitutio cum defectum - eine Ausheilung ohne Regeneration z.B. mit einem Gewebedefekt (einer Narbe) und / oder Funktionseinschränkungen - z.B. Bewegungseinschränkungen
Dabei kann man sagen - je oberflächlicher und akuter die Verletzung ist - desto schneller und besser kann eine Wundheilung von statten gehen.
Je tiefer eine Verletzung geht, oder je chronischer ein Reiz auf dem entsprechenden Gewebe ist - desto wahrscheinlicher ist eine Narbenentstehung und damit eine „Reperaturheilung“
Die Reperaturheilung mit Narbengewebe hat einige Merkmale, die bei der Regeneration nicht vorhanden sind.
Das Narbengewebe kann die eigenliche Funktion z.B. der Haut nicht zu 100 % nachbauen. So hat Narbengewebe keine Schweißdrüsen oder Talgdrüsen, eine schlechtere, bis keine Durchblutung mehr (Narben werden weiß) und auch keine Fähigkeit mehr Melanozyten (Farbpigmente) zu bilden.
Die Wundheilung einer Narbe lässt sich grob in 4 Phasen gliedern - diese laufen zwar grob nacheinander ab, überschneiden sich jedoch teilweise auch.
Nach der Verletzung eines Gewebes haben wir oft zuerst eine Blutung. Damit wir nicht verbluten hat der Körper ein eigenes Gerinnungssystem welches in den ersten Minuten nach einer Verletzung vom Köper aktiviert wird. Ziel dieser Gerinnung ist erstmal der „Verschluss“ der Wunde. Nach maximal 30 Minuten ist diese erste Phase abgeschlossen und im besten Fall die Blutung gestoppt.
Nach dieser „Verschlussphase“ folgt die „Aufräumphase“ - hierbei wandern Immunzellen in und um das Gewebe ein, um Mögliche Erreger unschädlich zu machen und alte Zellteile die bei der Verletzung entstanden sind abzutragen. Sozusagen eine Art Müllabfuhr und Reinigungsteam im Gewebe. Diese Phase beginnt an Tag eins der Verletzung bis zum 4. Tag nach der Verletzung.
In der 3. Phase die ca. ab dem 3. Tag bis zum 10. Tag nach der Verletzung stattfindet entsteht
durch die Einsprossung kleinster neuer Gefäße ein weiterer Schritt der Wundheilung.
Die vermehrte Durchblutung und die neue Zelloranisation geben der Wunde mehr Stabilität.
Wir verbinden diese Phase häufig mit einem Juckreiz und dem Spruch: „Wenns juckt ist gut,
dann heilt es“
Phase 4 beginnt ab ca. dem 7. Tag nach der Verletzung und kann einige Monate dauern.
Hierbei baut der Körper die neuen Zellen um, das Narbengewebe entsteht. Häufig sieht dabei
eine Narbe noch gerötet oder erhaben aus - was im Endeffekt nur ein Hinweis ist, dass die
Narbe noch arbeitet. Nach ca. 3 Wochen hat das Narbengewebe eine Reissfestigkeit von ca.
25% erreicht.
Bis eine Narbe vollständig verheilt ist können oft bis zu 2 Jahren vergehen.
Je nachdem wo eine Narbe liegt und welche Scherkräfte auf Sie wirken kann es sogar noch länger dauern.
Quelle: Wundatlas / Physiologie der Wundheilung Hans Lippert
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